Der eigenen Intuition vertrauen: Für viele ist das eher ungewohnt als selbstverständlich. Über Jahre haben viele Menschen genau diesen Zugang verloren, oft ohne es zu bemerken.
Uns wird bereits früh abtrainiert, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen. Schon in der Schule geht es vor allem ums Auswendiglernen. Um das Übernehmen von Vorgegebenem, nicht um das eigene Denken. Wer eigene Gedanken entwickelt und kritisch nachfragt, wird schnell zum ungeliebten Mitmenschen. Nur wer funktioniert und liefert, wird in der Leistungsgesellschaft belohnt. So lernst du früh, wonach du dich zu richten hast. Nicht auf das, was du spürst, sondern auf das, was von außen als richtig oder normal bewertet wird. Egal, wie du dich dabei fühlst.
Genau hier entstehen die größten Diskrepanzen. Als Kind bekommst du ständig gesagt, du sollst dich nicht so anstellen. Dass deine Wahrnehmung nicht stimmt. Dass die anderen das doch auch hinkriegen, sich anzupassen. Alles wird weggeredet und wegkonditioniert, damit du in die Schublade passt.
Dabei war die Intuition nie weg. Ein Kind trifft seine ersten Entscheidungen intuitiv, da es noch nicht in den Konstrukten denkt, die ihm später die Schule beibringt. Diese Fähigkeit verschwindet nicht. Sie wird nur überlagert. Vom Wissen, was richtig ist. Von den Erwartungen anderer. Von der Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen, wenn man sich allein auf ein Gefühl verlässt.
Du kennst das vielleicht. Eine Entscheidung liegt vor dir und du beginnst, alle Argumente durchzugehen. Vorteile, Nachteile, Risiken. Am Ende hast du eine Liste, aber keine Klarheit. Irgendwo darunter liegt eine Antwort, die du längst kennst. Nur traust du dich nicht, sie ernst zu nehmen.
Besonders schwer wird das, wenn du dich lange an andere angepasst hast. Wenn deine eigene Wahrnehmung früh nicht willkommen war und du gelernt hast, dich nach dem Außen, nach den anderen auszurichten. Dann fühlt sich deine eigene Intuition fremd an. Fast wie eine Stimme, die du gar nicht mehr kennst.
Manche Menschen kennen dieses Gefühl schon ihr ganzes Leben lang. Sie haben sich früh angepasst, überall funktioniert, sich in jede Umgebung eingefügt, denn so haben sie es gelernt: Anpassung. Mit der Zeit verschwimmt dabei, was die eigene Wahrnehmung ist und was übernommen wurde. Die Intuition meldet sich zwar weiterhin, aber sie wird nicht mehr als verlässlich eingestuft.
Genau hier beginnt die Arbeit. Darin, wieder auf die innere Stimme zu hören, so leise sie im Vergleich zum Lärm um dich herum auch ist. Schritt für Schritt. Kleine Entscheidungen sind ein guter Anfang. Was möchte ich heute essen? Wohin zieht es mich an diesem Nachmittag? Bei wem fühle ich mich tatsächlich wohl? Solche Fragen üben das Zuhören, ohne dass viel auf dem Spiel steht.
Wenn Struktur und Orientierung fehlen, wird diese Übung besonders wertvoll. Dann bleibt kaum etwas, an dem du dich orientieren kannst, außer an dem, was du selbst spürst. Kein Ratschlag, keine Meinung von außen ersetzt das.
Deine Intuition kennt den Weg. Sie hat ihn immer gekannt. Die Aufgabe besteht darin, ihr wieder Raum zu geben. Und ihr zu glauben, auch wenn der Verstand noch dazwischenfunkt.