Ich beobachte dieses Muster schon mein Leben lang. In meinem persönlichen Umfeld genauso wie bei meiner Arbeit. Menschen erleben etwas, das sie verletzt, verunsichert oder überfordert. Und anstatt sich damit auseinanderzusetzen, schieben sie es weg. Nicht jetzt. Nicht heute. Vielleicht später.
Aber später kommt selten. Und das, was weggeschoben wurde, verschwindet nicht. Es bleibt präsent. Es beeinflusst Entscheidungen, Beziehungen und die Stimmung, ohne dass man es bewusst merkt.
Vielleicht kennst du das von dir. Eine Situation, die dich getroffen hat, die du aber nie wirklich angeschaut hast. Ein Gefühl, dass du lieber übergangen hast, weil es unangenehm war. Der Gedanke, dass es schon von allein weggehen wird, wenn du es nur lange genug ignorierst.
Das Problem ist: Solange etwas nicht angeschaut wird, kann es nicht verarbeitet werden. Es bleibt als stiller Begleiter, der immer dann auftaucht, wenn eine ähnliche Situation entsteht. Und jedes Mal reagierst du aus dem gleichen Muster heraus, ohne es zu verstehen.
Dabei steckt in jeder Erfahrung auch immer etwas, das dich weiterbringt. Erkenntnisse über Dinge, die dir wichtig sind und die dich dazu bringen, dich weiterzuentwickeln. Daraus kristallisiert sich, was du nicht mehr in deinem Leben brauchst. Aber das zeigt sich erst, wenn du bereit bist, genau hinzuschauen.
Annehmen bedeutet nicht, alles gut zu finden. Es bedeutet, eine Situation als etwas anzuerkennen, das passiert ist. Das Gefühl wahrzunehmen und sich ehrlich zu fragen: Wie ist es dazu gekommen? Was hat es mit mir gemacht? Und was nehme ich aus der ganzen Geschichte mit?
Erst danach kannst du eine bewusste Entscheidung treffen. Darüber, wer in deinem Leben seinen Platz sicher hat und bei wem es an der Zeit ist, zu gehen.
Dein Selbst kennt den Unterschied zwischen Verarbeiten und Verdrängen. Das, was du verdrängst, begleitet dich unterschwellig in den unterschiedlichsten Momenten, bis du dich entscheidest, es dir genau anzuschauen. Erst dann entsteht der Raum, um dich weiterzuentwickeln.