Viele von uns wachsen mit einem Selbstbild auf, das andere einem gegeben haben. Bezugspersonen prägen, wie wir uns sehen. Was sie in uns hineinprojizieren, wird zur inneren Wahrheit. Nicht weil es stimmt. Sondern weil wir nichts anderes kennen.
Wer früh gespiegelt bekommt, nicht zu genügen, übernimmt dieses Bild. Es wird zur Grundlage für Entscheidungen, für Beziehungen, für die Art, wie man sich in der Welt bewegt. Da dieses Bild so früh entstanden ist, fühlt es sich an wie ein fester Bestandteil der eigenen Identität. Und es geht noch weiter. Wir verhalten uns entsprechend diesem Bild. Und wir erwarten, dass alle anderen Menschen uns genauso behandeln. Wir gehen davon aus, dass jeder, der uns wirklich kennenlernt, zum gleichen Ergebnis kommt.
Vielleicht kennst du das. Du erzählst jemandem etwas über dich und rechnest innerlich damit, dass diese Person sich zurückzieht. Da es bisher immer so war.
Der Übergang beginnt dort, wo genau das nicht passiert. Wo jemand dir zuhört und bleibt. Wo dir etwas zurückgespiegelt wird, das gar nicht zu dem Bild passt, das du von dir hattest. Dieser Moment kann zutiefst verunsichern, da er alles infrage stellt, was du bisher über dich geglaubt hast.
Manchmal reicht ein einziger Mensch, damit das Bild, das du von dir hattest, zu bröckeln beginnt. Meistens braucht es mehr als nur einen dieser Momente. Es braucht Zeit und unterschiedliche Menschen, die dir dasselbe zeigen. Dann kann etwas in dir beginnen, diese neue Sichtweise anzunehmen und sie nach und nach ins Leben zu integrieren.
Was Bezugspersonen zu uns sagen und wie sie uns behandelt haben, wirkt tief. So tief, dass wir anfangen, uns selbst genauso zu behandeln. Bis irgendwann Menschen auftauchen, die dir einen neuen Blickwinkel anbieten.
Dein Selbst hat nur darauf gewartet, gesehen zu werden.
Über dich selbst hinauszuwachsen kannst du ab dem Moment, in dem du erkennst, dass du gar nicht dieses Bild bist, das jemand in dich hineinprojiziert hat. Sondern dass in dir viel mehr steckt. Und sobald du in der Lage bist, dieses neue Bild zu akzeptieren, kannst du anfangen, dich aus einer neuen Sichtweise zu entwickeln. Nun kannst du dem Raum geben, was schon immer in dir war.