Gib deinen Gefühlen wieder Raum

Schon als Kind haben viele von uns gelernt, Gefühle zu unterdrücken. Hör auf zu weinen. Sei nicht so empfindlich. Reiß dich zusammen. Als Kind stellt man solche Sätze nicht infrage. Man denkt, man ist falsch.

In der Schule geht es weiter. Funktionieren, anstatt zu hinterfragen. Stillsitzen, auch wenn der Körper etwas anderes braucht. Stoff lernen, auch wenn er keinen Sinn ergibt. Wer anders fühlt als erwartet, fällt dadurch auf. Also passt man sich an und gewöhnt sich daran, das Denken über das Fühlen zu stellen.

Im Erwachsenenleben läuft dieses Muster weiter. Du analysierst Situationen, drehst sie im Kopf hin und her, wägst ab. Aber was dein Körper dir dazu sagt, blendest du aus. Obwohl er dir längst eine Antwort gegeben hat. Du sagst Ja, obwohl dein Körper Nein sagt. Bleibst in einem Job, obwohl das Gefühl längst etwas anderes sagt. Oder vertraust jemandem, obwohl sich etwas nicht stimmig anfühlt.

Gefühle sind keine Störung. Sondern sie sind Sensoren. Wenn sich etwas richtig anfühlt, ist es genauso. Wenn sich etwas unangenehm anfühlt, hat das seinen Grund. Nicht jedes unangenehme Gefühl bedeutet, dass etwas falsch ist. Manchmal steckt ein Missverständnis dahinter. Aber es lohnt sich zu hinterfragen: Warum reagiere ich so? Was zeigt mir das? Und was kann ich daraus mitnehmen?

Dein Selbst kommuniziert nicht über Gedanken. Es zeigt sich in dem, was du fühlst. Dein Körper ist dein Kompass. In Beziehungen, in beruflichen Entscheidungen, in Momenten, in denen der Kopf keine klare Antwort hat. Je mehr Raum du deinen Gefühlen gibst, desto klarer wird die Orientierung, die sie dir bieten.

Gefühle klären sich, wenn du ihnen Raum gibst. Nicht, indem du versuchst, sie zu steuern. Sondern indem du sie zulässt.

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