Was ich früher für Ablenkung hielt

Ideen lassen sich nicht planen. Sie kommen, wann sie wollen. Wenn ich unterwegs bin, beim Aufräumen, während ich lese oder einen Film schaue. Lange habe ich sie für Ablenkung gehalten.

Am stärksten passiert es in Gesprächen. Ich höre ein Wort, erinnere mich an eine Situation, und plötzlich ist die Idee da. Das passiert bei mir ständig. Kleine Pop-ups im Kopf, oft auch gleich mehrere.

Früher habe ich diese Einfälle nicht ernst genommen. Ich hielt sie für Ablenkung. Für etwas, das mich vom eigentlichen Thema abhielt. So wurde es einem in der Schule beigebracht. Dort ging es darum, sich auf Dinge zu konzentrieren, auch wenn sie einen oft gar nicht interessiert haben. Der Fokus lag immer auf dem Auswendiglernen. Auf dem, was in den Büchern stand oder was die Lehrer erzählt haben. Für Kreativität blieb selten Raum. So hat auch meine eigene Kreativität lange keinen Platz bekommen.

So kommt es, dass viele Menschen den Zugang zu ihren eigenen Ideen verlieren. Und in der Folge auch zu ihren Träumen. Sie wischen sie weg, statt ihnen eine Bedeutung zu geben.

Heute sehe ich das anders. Die Ideen kamen nicht, um mich zu stören. Mein Kopf hat selten Ruhe. Es ist eher ein ständiges Mindmap-Denken. Ein Gedanke führt zum nächsten, der nächste kann in eine ganz andere Richtung führen. Das kann auch schon mal überfordernd sein. Manchmal frage ich mich: Wie bin ich da eigentlich hingekommen?

Oft kann ich diesen Gedanken gar nicht so schnell folgen, da sich immer neue Pop-ups davorschieben. Das ist in Ordnung. Eine Idee, die wichtig ist, taucht wieder auf. Und wenn sie sich öfter zeigt, dann weiß ich, dass etwas dran an ihr ist.

Ich habe nicht immer die Möglichkeit, jede Idee festzuhalten oder ihr nachzugehen. Das muss ich auch nicht.

Was ich geändert habe, ist eine kleine Richtungsänderung mit großer Wirkung. Ich halte die Idee fest. Manchmal als Notiz, manchmal als Sprachnachricht an mich selbst. Und manchmal denke ich sie weiter, prüfe, ob etwas darin steckt.

Denn eine Idee fällt einem zu. Sie ist ein Geschenk, keine Ablenkung. Kreativität ist etwas Besonderes. Es lohnt sich, ihr Raum zu geben.

Ich muss nicht jeder Idee folgen. Aber ich höre mittlerweile genauer hin. Vor allem bei denen, die immer wieder auftauchen.

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