Wer Angst vor Kontrollverlust hat, versucht oft, jeden Schritt genau zu kontrollieren. Man plant voraus, denkt alle Szenarien durch, die passieren könnten, und versucht, nichts dem Zufall zu überlassen. Das gibt für den Moment ein Gefühl von Sicherheit.
Was dabei passiert: Man ist so sehr im Kopf unterwegs, dass das Erleben auf der Strecke bleibt. Da jeder Moment durchgetaktet ist, werden Situationen abgehakt wie auf einer To-do-Liste, anstatt wirklich zu spüren, was gerade passiert. Momente ziehen vorbei, ohne dass man in ihnen ankommt. Irgendwann erinnert man sich kaum noch daran, weil man in dem Moment nicht vollständig dabei war, sondern innerlich bereits beim nächsten Punkt auf der Liste.
Das ist keine Schwäche. Es ist ein Schutzmechanismus. Wer gelernt hat, dass Überraschungen unangenehm sein können, schützt sich davor, indem er versucht, alles im Griff zu behalten, um das Gefühl der Ohnmacht nicht spüren zu müssen.
Der Preis dafür ist hoch. Denn wer nie loslässt, lebt auch nicht im Hier und Jetzt. Die Gedanken sind immer schon beim nächsten Punkt auf der To-do-Liste. Man lebt in der Zukunft und kann den einzelnen Moment kaum noch wirklich genießen.