Ich bin schon immer tief in Themen und in das eingetaucht, was Menschen mir erzählen. Es war nichts, was ich mir je vorgenommen habe. Es war schon immer so, da es sich für mich natürlich anfühlt. Irgendwann habe ich gemerkt, dass die meisten Menschen das anders erleben. Dass eine gewisse Tiefe für sie mit Schwere verbunden ist. Das hat mich lange irritiert.
Ich habe in meinem Leben so viel erlebt und gehört, dass mich kaum noch etwas aus der Ruhe bringt. Tiefe war für mich nie etwas, wovor ich mich schützen musste. Ich merke, dass Menschen sich mir gegenüber schnell öffnen. Vielleicht genau deshalb, da Tiefgang für mich das Selbstverständlichste der Welt ist.
Für mich sind tiefgehende Gespräche ganz normal. Mich interessiert, warum jemand so denkt, wie er denkt. Wie etwas entstanden ist. Was ein Mensch wirklich braucht. Das sind die Gespräche, in denen etwas passiert. Es bewegt sich etwas. Nicht diese typischen Gespräche, in denen ausschließlich an der Oberfläche gekratzt wird und hinterher ist man nicht schlauer geworden. Und genau deshalb weichen viele Menschen tiefgehenden Gesprächen aus. Sie bleiben dort, wo es sich sicher anfühlt. An der Oberfläche.
Sobald sich zwei Menschen wirklich auf ein Thema einlassen, verändert sich etwas. Man erkennt sich im Gegenüber wieder. Merkt, dass jemand anderes ähnlich fühlt oder Dinge genauso wahrnimmt wie man selbst. Das verbindet. Viele Menschen glauben, sie wären mit dem, was sie beschäftigt, allein. Da es selten Gespräche gibt, die diesen Raum hergeben. Aber sobald jemand ehrlich erzählt, merkt man oft: Es geht dem anderen genau wie mir. Und dieses Gefühl, verstanden zu werden, ist so viel wert. Es kann Menschen enger zusammenbringen.
Ich glaube, die Angst vor tiefgehenden Gesprächen rührt daher, dass man Angst hat, falsch verstanden zu werden. Oder davor, welche Gefühle hochkommen könnten. Die Angst, sich wirklich zu zeigen. Oder es rührt daher, dass man sich nie sicher gefühlt hat bei seinem Gegenüber oder weil man es in seiner Vergangenheit nicht anders kennengelernt hat. Doch wenn jemand da ist, der den Raum dafür hält, ohne zu bewerten, dann kann sich ein tiefgehendes Gespräch ganz leicht anfühlen.
Ich rede über schwierige Themen in einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die ihnen jegliche Schwermütigkeit nimmt. Tiefgang und Leichtigkeit schließen sich nicht aus. Für mich gehört beides zusammen.