Wenn etwas Platz macht

Manches hat uns über Jahre Halt gegeben. Eine Rolle, die wir gut ausgefüllt haben. Eine Gewohnheit, die den Alltag geordnet hat. Ein Bild von uns selbst, das lange stimmig war. Doch dann kommt eine Phase, in der sich etwas davon zu verändern beginnt.

Es fühlt sich vielleicht nach Verlust an. Nach etwas, das uns lange definiert hat und ganz selbstverständlich zu uns gehörte. Und plötzlich wissen wir nicht mehr genau, wer wir ohne diese ganzen Strukturen eigentlich sind. Eine Stufe heftiger kann es sich sogar wie ein Verlust der eigenen Identität anfühlen. Als würde uns der Boden unter den Füßen weggezogen.

Oft war es eine Blockade. Oder eine Anpassung, die einmal nötig gewesen ist. Eine Überzeugung, die uns geformt hat, ohne dass wir sie bewusst gewählt haben. Solange sie funktionierte, war sie einfach da. Wir haben sie kaum bemerkt, da sie Teil von uns gewesen ist.

Doch gleichzeitig hat sie uns davon abgehalten, die Person zu sein, die wir eigentlich sein können. Wir haben uns nach gewissen Mustern verhalten, die uns genau an diesen Punkt gebracht haben, an dem wir heute stehen. Und ein solches Muster aufrechtzuerhalten, ob es uns guttut oder nicht, kostet auf Dauer viel Energie.

Vielleicht spürst du das gerade. Etwas gibt nach, das lange stabil war. Ein Job, eine Beziehung, eine Art zu funktionieren. In dir macht sich eine Unruhe breit. Eine leise Ahnung, dass etwas nicht mehr so ist, wie es vorher war. Und auch nicht mehr so sein wird. Noch weißt du nicht, wohin es dich führt. Doch du spürst bereits, dass sich etwas in Bewegung gesetzt hat.

Dieser Zustand ist unbequem und holt dich aus deiner Komfortzone. Du befindest dich in einem Übergang, zwischen dem Bekannten und dem Neuen, das sich noch nicht vollständig zeigt. Es fühlt sich wie im Nebel an. Ein Halt von außen, an dem du dich orientieren kannst, fehlt. Du weißt ja selbst nicht, was gerade eigentlich passiert. Doch genau hier beginnt die Reise. Das, was blockiert war, kommt in Bewegung. Und dadurch wird Energie frei, die sich nun entfalten kann.

In dieser Phase sortiert sich vieles neu. Was sich löst, sind alte Gewohnheiten, Rollen und Überzeugungen, die nicht mehr zu dir passen. Nicht alles davon war schlecht. Vieles war einmal nötig, um zurechtzukommen. Du hast es dir nicht bewusst ausgesucht. Und so lief dieses Verhalten über Jahre weiter, wie in einer Dauerschleife.

Diese Energie hat eine Richtung. Sie öffnet einen Raum für das, was unter der alten Struktur lag und vorher keinen Platz hatte. Für einen Teil von dir, der sich so lange angepasst hat und jetzt wieder spürbar wird, vorausgesetzt, du lässt es zu. Für Wünsche, die du lange zur Seite geschoben hast.

Wenn etwas Platz macht, entsteht nicht sofort etwas Neues. Sondern zuerst löst sich eine alte Konditionierung, die dich lange in deiner Natürlichkeit blockiert hat. Und dadurch bekommt dein Selbst nun den Raum, sich zu zeigen.

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