Das schaff ich schon

Wir kennen das: Manche Frauen funktionieren, bis nichts mehr geht. Auf die Idee, nach Hilfe zu fragen oder Hilfe anzunehmen, wenn sie angeboten wird, kommen sie gar nicht.

Wir übernehmen Verantwortung, wo andere längst delegieren würden oder direkt Nein gesagt hätten. Wir behalten den Überblick, wenn um uns herum alles ins Wanken gerät. Ein Nein ist für uns gar nicht präsent. Und wenn jemand fragt, wie es uns mit der ganzen Arbeit geht, kommt oft dieselbe Antwort: Ach, das geht schon.

Egal, ob es das berufliche Umfeld ist oder das private: Alle sehen, dass die Last bereits viel zu groß geworden ist. Und weisen uns darauf hin, indem sie Hilfe anbieten. Nicht, weil sie glauben, dass wir schwach sind. Sondern weil sichtbar ist, dass diese Last für eine einzelne Person viel zu groß ist.

Der Gedanke, dass wir dabei sind, uns zu überfordern, kommt uns gar nicht. Jegliche körperlichen Signale werden ignoriert.

Vielleicht kennst du das. Du hörst die Angebote und lehnst sie ab, fast automatisch. Nicht aus Stolz, sondern weil ein Muster tiefer sitzt als jede rationale Abwägung.

Oft beginnt dieses Muster früh. Ein Kind, das lernen musste, allein klarzukommen, da niemand da war, der die Last mitgetragen hat. Da Hilfe damals nicht verfügbar war, oder nicht verlässlich zur Verfügung stand. Aus dieser Erfahrung entsteht eine Überzeugung, die sich tief einprägt: Ich schaff das schon allein. Ich muss das allein schaffen. Eine unterbewusste Prägung, die bleibt.

Als Kind war das oft eine sinnvolle Strategie. Wir probieren, scheitern, machen weiter. Wir sagen uns in Gedanken immer wieder, dass wir das schaffen, da wir uns weiterentwickeln wollen. Doch im Berufsleben wird daraus etwas anderes. Das berufliche Umfeld sieht nur eins: Diese Frau schafft so viel, das schafft sie auch noch. Und deshalb wird dir immer noch mehr aufgeladen, auch wenn du längst über deinem Limit bist.

Was hier fehlt, ist der Zugang zu der Erfahrung, dass Hilfe angenommen werden darf. Dass das kein Zeichen von Schwäche ist. Dass du nach Hilfe fragen kannst und dass sie dir auch gegeben wird. Dass viele jedoch darauf warten, gefragt zu werden. Und dass die, die Hilfe anbieten, das durchaus aus dem Grund machen, weil sie helfen möchten.

Hilfe wirklich ankommen zu lassen, bedeutet mehr als sie anzunehmen. Es bedeutet, den inneren Reflex zu erkennen, der sofort Abstand schafft. Und zu lernen, in diesem Moment stehen zu bleiben, statt automatisch abzuwehren.

Dein Selbst weiß oft längst, dass diese Last zu groß geworden ist. Es zeigt sich in Erschöpfung, in Rückzug, manchmal in Krankheit. Die Frage ist, ob du bereit bist, hinzuhören.

Wer beginnt, Hilfe wirklich anzunehmen, verändert nicht nur den Alltag. Er verändert die Beziehung zu sich selbst.

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