Ich habe mich lange nicht gefragt, wer ich bin, da die Idee nie aufkam.
Das klingt vielleicht seltsam. Aber es beschreibt genau das, was passiert, wenn man lange genug so gelebt hat, wie es von einem erwartet wurde. Irgendwann war diese Art zu leben so selbstverständlich geworden, dass ich es für mein Leben hielt.
Als sich das bei mir veränderte, war es heftig. Kein sanftes Anklopfen. Ein Moment, in dem plötzlich vieles keinen Sinn mehr ergab, was zuvor so selbstverständlich für mich war. Was dabei entstand, war kein neues Gefühl von mir Selbst. Erst einmal war da ein Vakuum.
Und genau das ist, glaube ich, ehrlicher als alles, was ich darüber sonst hätte sagen können.
Immer wieder habe ich mich gefragt: Wer bin ich eigentlich wirklich? Ich fühlte mich fremd in mir selbst. Identitätslos. Ich habe ein Leben gelebt, das ich so nicht mehr leben konnte.
Was mir dabei klar wurde: Es geht nicht darum, sich neu zu erfinden. Es geht darum, sich zum ersten Mal wirklich selbst zu begegnen. Ohne die Schichten aus Erwartungen, Rollen und dem, was man glaubte, sein zu müssen.
Ich musste mich nicht neu erfinden. Ich musste nur die Prioritäten verschieben. Mich auf Platz eins setzen. Und anfangen, mich daran zu orientieren, was ich will – was sich für mich richtig anfühlt.
Der Weg zurück zu sich Selbst beginnt oft nicht mit einer Antwort. Er beginnt damit, dass man die Frage endlich zulässt.