Der Kippmoment

Sie sitzt vor mir und sagt: „Eigentlich ist alles okay.“

Und dann wird es still.

Ein paar Sekunden später: „Aber irgendwie auch nicht.“

Dieser Moment ist einer der ehrlichsten, den es in einem Gespräch geben kann.

Nicht weil etwas Dramatisches passiert ist. Sondern weil jemand in diesem kurzen Innehalten näher an sich herankommt, als es vorher möglich war.

„Eigentlich ist alles okay“ ist oft kein Widerspruch zu dem, was danach kommt. Es ist eine erste Orientierung. Eine Art zu verstehen, wo man gerade steht. Und gleichzeitig spürt etwas in einem, dass diese Einordnung nicht ganz stimmt.

Dieses „irgendwie auch nicht“ ist selten laut. Es kommt leise. Fast zögerlich. Als würde man es zum ersten Mal laut aussprechen – und gleichzeitig noch nicht genau wissen, was dahintersteckt.

Genau da beginnt die eigentliche Arbeit.

Nicht beim Problem. Nicht bei der Lösung. Sondern in dem Moment, in dem jemand beginnt, ehrlich hineinzufühlen, was wirklich da ist.

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