Wir leben in einer Welt, die Aktivität belohnt. Wer viel macht, gilt als produktiv. Das ist bei manchen so tief verwurzelt, dass der ein oder andere gar nicht mehr weiß, wie es sich anfühlt, einfach nur zu sein.
Dabei steckt in diesem Moment – wenn man sich bewusst dafür entscheidet – mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Denn wer nie aufhört, wer nie innehält, verliert irgendwann das Gespür dafür, was er eigentlich braucht. Was er fühlt. Was ihm wirklich wichtig ist.
Du kennst das vielleicht. Dieses schlechte Gewissen, wenn du einfach dasitzt. Das Gefühl, nichts Produktives zu tun. Als wäre dein Wert daran geknüpft, ständig in Bewegung zu sein. Dass deine Existenz sich rechtfertigen muss durch das, was du leistest.
Dabei ist das vermeintliche Nichtstun eine notwendige Pause. Eine Fähigkeit, die manche verloren haben. Als ob man sich eine Pause erst verdienen müsste – durch Arbeit, durch Erfolg, durch Erfüllung von Erwartungen. Dabei ist es wichtig, zwischendurch immer wieder bei sich selbst anzukommen. Wir sind schließlich human beings – keine human doings.
Doch genau in diesen Momenten kann sich etwas zeigen. Gedanken, die sonst keinen Platz haben. Bedürfnisse, die man lange ignoriert hat. Ein Gefühl dafür, was man wirklich braucht. Etwas, das nicht von einem erwartet wird – sondern das aus dem Inneren kommt.
Das ist kein Luxus. Es ist notwendig. Denn wenn man sich nie mit sich selbst beschäftigt, dann weiß man auch nicht, wie’s in einem aussieht.
Ruhe ist der Gegenpol von Aktivität. Beide brauchen einander. Wer sich nie erlaubt innezuhalten, verliert irgendwann den Kontakt zu sich Selbst. Und wer den Kontakt zu sich Selbst verliert, funktioniert zwar – lebt jedoch nicht im Hier und Jetzt.
Einfach nur zu sein ist ein Grundbedürfnis. Kein Nice-to-have. Keine Belohnung für Leistung. Es ist die Voraussetzung dafür, dass etwas Neues entstehen kann. Dass man sich selbst wieder finden kann.