Viele von uns halten an etwas fest, das nicht mehr stimmig ist, weil die Beziehung zu uns selbst nie richtig aufgebaut wurde. An einer Beziehung, die sich leer anfühlt. An einer Rolle, die längst nicht mehr passt. An einer Gewohnheit, die Sicherheit verspricht, aber keine Erfüllung bringt.
Wir harren in der Situation aus, weil das Vertraute bequemer ist als das Neue mit seinen vielen Möglichkeiten. Wir passen uns an, halten aus, funktionieren weiter. Nicht, weil es uns guttut. Sondern weil die Angst vor dem Unbekannten größer wirkt als das, was wir gerade aushalten.
Das nennt man Anhaftung. Wir klammern uns an etwas Bekanntes, obwohl wir selbst spüren, dass es sich nicht mehr richtig anfühlt.
Du kennst das vielleicht. Ein Partner, der eigentlich gar nicht zu einem gehört. Ein Freundeskreis, in dem du gar nicht du selbst sein kannst. Eine Art zu leben, die von außen ideal wirkt, aber innerlich nichts mit dir zu tun hat. Du bleibst dabei, weil du glaubst, dass es das Beste ist, was du bekommen kannst. Oder weil du Angst hast, allein dazustehen.
Genau darin liegt die Selbstverleugnung. Du erkennst nicht mehr, was du eigentlich brauchst. Du fragst nicht mehr, ob etwas zu dir passt. Du fragst nur noch, ob es sicher genug ist.
Diese Muster entstehen selten aus freier Entscheidung. Sie entstehen aus einer Beziehung zu uns selbst, die nie richtig aufgebaut werden konnte. Wenn wir uns selbst nicht kennen, orientieren wir uns am Außen. Wenn wir uns selbst nicht annehmen, suchen wir Bestätigung dort, wo sie am leichtesten zu bekommen ist. Auch wenn wir uns dabei selbst verleugnen.
Selbstliebe bedeutet, sich selbst gegenüber positiv zu sein und sich so anzunehmen, wie man ist. Und genau aus diesem Selbstwert heraus muss man sich für niemanden mehr verbiegen.
Aus dieser Beziehung zu uns selbst heraus verändert sich die Orientierung im Leben. Sie wird nicht mehr daran gemessen, ob etwas sicher ist. Sondern daran, ob es zu einem passt, ob es sich richtig anfühlt.
Loslassen bedeutet dann keinen Verlust mehr. Es ist der Weg zurück zu dem, wer man eigentlich ist.
Die Beziehung zu uns selbst ist die Grundlage für jede andere Beziehung. Denn nur in dem Maße, wie wir uns selbst lieben und annehmen, werden es andere auch tun. Wer diese Beziehung stärkt, erkennt klarer, wer und was wirklich zu einem passt.