In meiner Arbeit erlebe ich einen Moment der Selbsterkenntnis, der immer wieder auftaucht. Ich unterhalte mich mit jemandem und stelle eine gezielte Frage. Nicht die naheliegendste. Sondern eine, die tiefer geht. Und dann passiert etwas.
In meinem Gegenüber fängt es an zu arbeiten. Mehrere Momente, in denen nichts gesagt wird, doch ich kann erkennen, dass im Inneren sehr viel passiert. Und dann kommt meistens die Reaktion: Das hat mir vorher noch nie jemand so gesagt.
In diesem Moment ist etwas ins Rollen gekommen. Eine Erkenntnis, die nicht von mir kommt. Ich sage niemandem, wie sein Leben zu sein hat. Ich stelle gezielte Fragen, situativ abhängig von der jeweiligen Person. Und die Erkenntnis entsteht in ihr. Wie ein Ruck, der durch einen durchgeht. Etwas, das die Person schon lange in sich wahrgenommen hat, aber nie in eine greifbare Form bringen konnte. Da ihr Umfeld immer etwas anderes gespiegelt hatte. Häufig waren es nur Projektionen.
Vielleicht ist dir das auch schon aufgefallen. Du spürst etwas in dir, das sich richtig anfühlt. Aber die Menschen um dich herum nehmen etwas anderes wahr. Also glaubst du den anderen und fängst an, an dir zu zweifeln. Du triffst Entscheidungen, die sich nicht nach dir anfühlen. Gehst Wege, die andere für richtig halten. Und entfernst dich dabei immer weiter von dem, was du eigentlich über dich weißt. Irgendwann bist du einen weiten Weg gegangen, den du so selbst nie gegangen wärst.
Wenn du dann zum ersten Mal von jemandem hörst, was du tief in dir schon immer geahnt hast, ist das wie ein Nebel, der sich lichtet. Kein neues Wissen. Sondern die Bestätigung, dass das, was du schon lange in dir gespürt hast, keine Einbildung war.
In diesem Moment entsteht Klarheit. Und mit dieser Klarheit entstehen Möglichkeiten, die vorher nicht sichtbar waren. Nicht weil sie nicht da waren. Sondern weil der Blick darauf verdeckt war.
Dein Selbst ist immer präsent. Es zeigt sich in dem, was dich anzieht, in dem, wovon du nicht loslassen kannst, und in dem, was sich ohne Erklärung richtig anfühlt. Manchmal braucht es nur eine einzige Frage, um alles ins Wanken zu bringen. Eine Frage, die alte Überzeugungen zum Kippen bringt. Und die dir zeigt, dass deine eigene Wahrnehmung die ganze Zeit richtig war.