Wenn Stärke zur einzigen Option wird

Es gibt Menschen, die früh gelernt haben, stark zu sein. Nicht weil sie es wollten, sondern weil es keine andere Möglichkeit gab. Schwäche zulassen – das war keine Option.

Hilfe annehmen – undenkbar.

Also hat man funktioniert, hat für andere gesorgt, hat weitergemacht. Und irgendwann war da nur noch das Funktionieren – und der Zugang zu den eigenen Gefühlen tief im Inneren vergraben.

Man hat aufgehört, bei sich selbst zu sein. Nicht weil man keine Gefühle hatte. Sondern weil man ständig für andere da war – und niemand je gefragt hat, wie es einem selbst geht. Mit der Zeit ist man abgestumpft. Hat Gefühle weggeschoben. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern als Schutz. Weil man sonst das Gefühl gehabt hätte zu ertrinken.

Wer lange genug stark sein musste, hat irgendwann den Zugang zu sich selbst verloren. Die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Dem nachzugehen, was sich wirklich zeigt.

Doch genau das ist der Punkt, an dem Veränderung beginnt. Nicht dort, wo man wieder funktioniert. Sondern dort, wo man beginnt, sich selbst wieder Raum zu geben. Den eigenen Gefühlen zuzuhören. Wahre Stärke besteht darin, sich zu erlauben, sich auf diesem Weg begleiten zu lassen.

Das ist kein schneller Weg. Aber er führt zurück zu den eigenen Gefühlen – und zu dem Menschen, der man sein kann, wenn man sich wieder selbst spürt.

 
 
Nach oben scrollen